Adolf Glaßbrenner

  • Die Raupe

    Die Raupe auf dem Baume saß,

    Und von der Kron' die Blätter fraß –
    Ja ja!
    Sie war im bunten Kleide,
    Als wie von Sammt und Seide,
    Ha ha ha ha ha ha!


    Ein Staatsminister ging vorbei,
    Der sah das Tier und sprach: Ei ei!
    Ja ja!
    Wie konnt' es ihr gelingen?
    'S geht nicht mit rechten Dingen!
    Ha ha ha ha ha ha!


    Du unbehülflich dummes Tier!
    Ich wundre mich, drum sage mir:
    Ja ja!
    Wie hast du's unternommen,
    Und bist so hoch gekommen?
    Ha ha ha ha ha ha!



    Und als die Raupe blieb nicht stumm,
    Da wurd' er rot und dreht sich um.
    Ja ja!
    Die Raupe hat gesprochen:
    Mein Freund, ich bin gekrochen!
    Ha ha ha ha ha ha!

  • Die Diebe


    Da war einmal ein kleiner Dieb,

    Der stahl ein Brod dem Kind zulieb,

    Und wurde schier gefangen,

    Und konnte erst in Jahr und Stund,

    Trotz sein und seines Weibes Mund,

    Die Freiheit wieder erlangen.


    Dem Andern war's Glück auch nicht hold:

    Stahl einem Filz 'nen Sack mit Gold

    Durch Einbruch still und nächtens;

    Und eh' noch ein halb Jahr verging,

    Er am Gevatter Dreibein hing,

    Und das von wegen Rechtens.


    Der Dritte war ein großer Dieb,

    Der stahl sich ganz allein zulieb

    Der Menschen Ehr' und Rechte,

    Und Städt' und Länder obendrein:

    Dem thäten sie Ruhmesopfer weih'n,

    Und dienten ihm wie Knechte.


    Nun weiß ich doch wahrhaftig nicht,

    Wie solch ein dummes Ding geschicht,

    Und müßte doch vermeinen,

    Daß, wenn euch Gott das Urteil lenkt',

    Der dritte Dieb viel höher hängt,

    Als wie die beiden kleinen!

  • Zwei Wünsche



    Ach, zwei Wünsche wünscht’ ich immer
    Leider immer noch vergebens.
    Und doch sind’s die innig-frommsten,
    Schönsten meines ganzen Lebens!

    Dass ich alle, alle Menschen
    Könnt’ mit gleicher Lieb’ umfassen,
    Und dass Ein’ge ich von ihnen
    Morgen dürfte hängen lassen.

  • Lied der Eckensteher


    Det beste Leben hab' ick doch;

    Ick kann mir nich beklagen,

    Pfeift ooch der Wind durch's Aermelloch,

    Det will ick schonst verdragen.

    Det Morjens, wenn mir hungern dhut,

    Eß ick 'ne Butterstulle,

    Dazu schmeckt mir der Kimmel jut,

    Aus meine volle Pulle.

    Ick sitz mit de Kam'raten hier

    Mit alle, jroß un kleene;

    Beleidigt ooch mal eener mir,

    So stech' ich ihm jleich eene!

    Und drag ich endlich mal wat aus,

    So kann ick Jroschens kneifen,

    Hol wieder meine Pulle 'raus

    Un dhue eenen pfeifen.

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