Georg Heym


  • Eifersucht

    Die Straße wird zu einem breiten Strich.

    Die Häuser werden weiß wie eine Wand.

    Die Sonne wird ein Mond. Und unbekannt,

    Gleichgültig, fremd, ein jedes Angesicht.


    Sie sehen aus wie Blätter von Papier,

    Weiß, unbeschrieben. Aber hinten winkt

    Ein schlankes blaues Kleid, das fern versinkt

    Und wieder auftaucht, und sich fern verliert.


    Auf seinem Nacken sitzt die Eifersucht.

    Ein altes Weib, gestiefelt. Einen Dorn

    Bohrt in das Hirn sie ihm, und haut den Sporn

    In ihres Reittiers weicher Flanken Bucht.

  • Der Abend


    Versunken ist der Tag in Purpurrot,
    Der Strom schwimmt weiß in ungeheurer Glätte.
    Ein Segel kommt. Es hebt sich aus dem Boot
    Am Steuer groß des Schiffers Silhouette.

    Auf allen Inseln steigt des Herbstes Wald
    Mit roten Häuptern in den Raum, den klaren.
    Und aus der Schluchten dunkler Tiefe hallt
    Der Waldung Ton, wie Rauschen der Kitharen.


    Das Dunkel ist im Osten ausgegossen,
    Wie blauer Wein kommt aus gestürzter Urne.
    Und ferne steht, vom Mantel schwarz umflossen,
    Die hohe Nacht auf schattigem Kothurne.

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