Kurt Tucholsky


  • Fröhliche Ostern

    Da seht aufs neue dieses alte Wunder:

    Der Osterhase kakelt wie ein Huhn

    und fabriziert dort unter dem Holunder

    ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.

    Und auch der Mensch reckt frohbewegt die Glieder –

    er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei ...

    Ja, was errötet denn die Gattin wieder?

    Ei, ei, ei

    ei, ei

    ei!


    Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware

    ins pappne Ei zum besseren Konsum:

    Ein seidnes Schupftuch, Nadeln für die Haare,

    die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.

    Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben,

    sucht die voll Sinn versteckte Leckerei.

    Man ruft beglückt, wenn sie’s gefunden haben:

    Ei, ei, ei

    ei, ei

    ei!


    Und Hans und Lene steckens in die Jacke,

    das liebe Osterei – wen freut es nicht?

    Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke,

    und ohne jedes innre Gleichgewicht.

    Die deutsche Politik... Was wollt ich sagen?

    Bei uns zu Lande ist das einerlei –

    und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen!

    Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!

  • Augen in der Großstadt

    Wenn du zur Arbeit gehst

    am frühen Morgen,

    wenn du am Bahnhof stehst

    mit deinen Sorgen:

    da zeigt die Stadt

    dir asphaltglatt

    im Menschentrichter

    Millionen Gesichter:

    Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,

    die Braue, Pupillen, die Lider -

    Was war das? vielleicht dein Lebensglück...

    vorbei, verweht, nie wieder.


    Du gehst dein Leben lang

    auf tausend Straßen;

    du siehst auf deinem Gang,

    die dich vergaßen.

    Ein Auge winkt,

    die Seele klingt;

    du hast's gefunden,

    nur für Sekunden...

    Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,

    die Braue, Pupillen, die Lider -

    Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück...

    Vorbei, verweht, nie wieder.


    Du mußt auf deinem Gang

    durch Städte wandern;

    siehst einen Pulsschlag lang

    den fremden Andern.

    Es kann ein Feind sein,

    es kann ein Freund sein,

    es kann im Kampfe dein

    Genosse sein.

    Es sieht hinüber

    und zieht vorüber ...

    Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,

    die Braue, Pupillen, die Lider -

    Was war das?

    Von der großen Menschheit ein Stück!

    Vorbei, verweht, nie wieder.

  • Chanson

    Da ist ein Land - ein ganz kleines Land -

    Japan heißt es mit Namen.

    Zierlich die Häuser und zierlich der Strand,

    zierlich die Liliputdamen.

    Bäume so groß wie Radieschen im Mai.

    Turm der Pagode so hoch wie ein Ei -

    Hügel und Berg

    Klein wie ein Zwerg.

    Trippeln die zarten Gestalten im Moos,

    fragt man sich: Was mag das sein?

    In Europa ist alles so groß, so groß -

    Und in Japan ist alles so klein!


    Da sitzt die Geisha. Ihr Haar glänzt wie Lack.

    Leise duftet die Rose.

    Vor ihr steht plaudernd im strahlenden Tag

    Kräftig der junge Matrose.

    Und er erzählt diesem seidenen Kind

    Davon, wie groß seine Landsleute sind.

    Straße und Saal

    Pyramidal!

    Sieh, und die Kleine wundert sich bloß -

    denkt sich: Wie mag das wohl sein?

    In Europa ist alles so groß, so groß -

    Und in Japan ist alles so klein!


    Da ist ein Wald - ein ganz kleiner Wald -

    Abendlich dämmern die Stunden.

    Horch! wie das Vogelgezwitscher verhallt...

    Geisha und er sind verschwunden.

    Abendland - Morgenland - Mund an Mund -

    Welch ein natürlicher Völkerschaftsbund!

    Tauber, der girrt,

    Schwalbe, die flirrt.

    Und eine Geisha streichelt das Moos,

    in den Augen ein Flämmchen, ein Schein ...

    In Europa ist alles so groß, so groß -

    Und in Japan ist alles so klein.

  • AUS!

    Einmal müssen zwei auseinandergehn;

    einmal will einer den andern nicht mehr verstehn—

    einmal gabelt sich jeder Weg – und jeder geht allein –

    wer ist daran schuld?


    Es gibt keine Schuld. Es gibt nur den Ablauf der Zeit.

    Solche Straßen schneiden sich in der Unendlichkeit.

    Jeder trägt den andern mit sich herum –

    etwas bleibt immer zurück.


    Einmal hat es euch zusammengespült,

    ihr habt euch erhitzt, seid zusammengeschmolzen, und dann erkühlt –

    Ihr wart euer Kind. Jede Hälfte sinkt nun herab -:

    ein neuer Mensch.


    Jeder geht seinem Schicksal zu.

    Leben ist Wandlung. Jedes Ich sucht ein Du.

    Jeder sucht seine Zukunft. Und geht mit stockendem Fuß,

    vorwärtsgerissen vom Willen, ohne Erklärung und Gruß

    in ein fernes Land.

  • Mutterns Hände


    Hast uns Stulln jeschnitten

    un Kaffe jekocht

    un de Töppe rübajeschohm –

    un jewischt und jenäht

    un jemacht und jedreht ...

    alles mit deine Hände.


    Hast de Milch zujedeckt,

    uns Bobongs zujesteckt

    un Zeitungen ausjetragen –

    hast die Hemden jezählt

    und Kartoffeln jeschält ...

    alles mit deine Hände.


    Hast uns manches Mal

    bei jroßen Schkandal

    auch 'n Katzenkopp jejeben.

    Hast uns hochjebracht.

    Wir wahn Sticker acht,

    sechse sind noch am Leben ...

    Alles mit deine Hände.


    Heiß warn se un kalt.

    Nu sind se alt.

    Nu bist du bald am Ende.

    Da stehn wa nu hier,

    und denn komm wir bei dir

    und streicheln deine Hände.

  • Feldfrüchte


    Sinnend geh ich durch den Garten,

    still gedeiht er hinterm Haus;

    Suppenkräuter, hundert Arten,

    Bauernblumen, bunter Strauß.

    Petersilie und Tomaten,

    eine Bohnengalerie,

    ganz besonders ist geraten

    der beliebte Sellerie.

    Ja, und hier –? Ein kleines Wieschen?

    Da wächst in der Erde leis

    das bescheidene Radieschen:

    außen, rot und innen weiß.


    Sinnend geh ich durch den Garten

    unsrer deutschen Politik;

    Suppenkohl in allen Arten

    im Kompost der Republik.

    Bonzen, Brillen, Gehberockte,

    Parlamentsroutinendreh . . .

    Ja, und hier –? Die ganz verbockte

    liebe gute SPD.

    Hermann Müller, Hilferlieschen

    blühn so harmlos, doof und leis

    wie bescheidene Radieschen:

    außen rot und innen weiß.

  • Die freie Wirtschaft


    Ihr sollt die verfluchten Tarife abbauen.

    Ihr sollt auf euern Direktor vertrauen.

    Ihr sollt die Schlichtungsausschüsse verlassen.

    Ihr sollt alles Weitere dem Chef überlassen.

    Kein Betriebsrat quatsche uns mehr herein,

    wir wollen freie Wirtschaftler sein!

    Fort die Gruppen – sei unser Panier!

    Na, ihr nicht.

    Aber wir.


    Ihr braucht keine Heime für eure Lungen,

    keine Renten und keine Versicherungen.

    Ihr solltet euch allesamt was schämen,

    von dem armen Staat noch Geld zu nehmen!

    Ihr sollt nicht mehr zusammenstehn –

    wollt ihr wohl auseinandergehn!

    Keine Kartelle in unserm Revier!

    Ihr nicht.

    Aber wir.


    Wir bilden bis in die weiteste Ferne

    Trusts, Kartelle, Verbände, Konzerne.

    Wir stehen neben den Hochofenflammen

    in Interessengemeinschaften fest zusammen.

    Wir diktieren die Preise und die Verträge –

    kein Schutzgesetz sei uns im Wege.

    Gut organisiert sitzen wir hier ...

    Ihr nicht.

    Aber wir.


    Was ihr macht, ist Marxismus.

    Nieder damit!

    Wir erobern die Macht, Schritt für Schritt.

    Niemand stört uns. In guter Ruh

    sehn Regierungssozialisten zu.

    Wir wollen euch einzeln. An die Gewehre!

    Das ist die neuste Wirtschaftslehre.

    Die Forderung ist noch nicht verkündet,

    die ein deutscher Professor uns nicht begründet.

    In Betrieben wirken für unsere Idee

    die Offiziere der alten Armee,

    die Stahlhelmleute, Hitlergarden ...


    Ihr, in Kellern und in Mansarden,

    merkt ihr nicht, was mit euch gespielt wird?

    mit wessen Schweiß der Gewinn erzielt wird?

    Komme, was da kommen mag.

    Es kommt der Tag,

    da ruft der Arbeitspionier:

    »Ihr nicht.

    Aber Wir. Wir. Wir.«

  • Danach


    Es wird nach einem happy end

    im Film jewöhnlich abjeblendt.

    Man sieht bloß noch in ihre Lippen

    den Helden seinen Schnurrbart stippen –

    da hat sie nu den Schentelmen.

    Na, un denn –?


    Denn jehn die beeden brav ins Bett.

    Na ja ... diß is ja auch janz nett.

    A manchmal möcht man doch jern wissn:

    Wat tun se, wenn se sich nich kissn?

    Die könn ja doch nich imma penn ... !

    Na, un denn –?


    Denn säuselt im Kamin der Wind.

    Denn kricht det junge Paar 'n Kind.

    Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba.

    Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba.

    Denn wolln sich beede jänzlich trenn ...

    Na, un denn –?


    Denn is det Kind nich uffn Damm.

    Denn bleihm die beeden doch zesamm.

    Denn quäln se sich noch manche Jahre.

    Er will noch wat mit blonde Haare:

    vorn doof und hinten minorenn ...

    Na, un denn –?


    Denn sind se alt.

    Der Sohn haut ab.

    Der Olle macht nu ooch bald schlapp.

    Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit –

    Ach, Menschenskind, wie liecht det weit!

    Wie der noch scharf uff Muttern war,

    det is schon beinah nich mehr wahr!

    Der olle Mann denkt so zurück:

    wat hat er nu von seinen Jlück?

    Die Ehe war zum jrößten Teile

    vabrühte Milch un Langeweile.

    Und darum wird beim happy end

    im Film jewöhnlich abjeblendt.

  • Das Ideal


    Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,

    vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;

    mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,

    vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn –

    aber abends zum Kino hast dus nicht weit.


    Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:


    Neun Zimmer, – nein, doch lieber zehn!

    Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn,

    Radio, Zentralheizung, Vakuum,

    eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm,

    eine süße Frau voller Rasse und Verve –

    (und eine fürs Wochenend, zur Reserve) –,

    eine Bibliothek und drumherum

    Einsamkeit und Hummelgesumm.


    Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste,

    acht Autos, Motorrad – alles lenkste

    natürlich selber – das wär ja gelacht!

    Und zwischendurch gehst du auf Hochwildjagd.


    Ja, und das hab ich ganz vergessen:

    Prima Küche – erstes Essen –

    alte Weine aus schönem Pokal –

    und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal.

    Und Geld. Und an Schmuck eine richtige Portion.

    Und noch ne Million und noch ne Million.

    Und Reisen. Und fröhliche Lebensbuntheit.

    Und famose Kinder. Und ewige Gesundheit.


    Ja, das möchste!


    Aber, wie das so ist hienieden:

    manchmal scheints so, als sei es beschieden

    nur pöapö, das irdische Glück.

    Immer fehlt dir irgendein Stück.

    Hast du Geld, dann hast du nicht Käten;

    hast du die Frau, dann fehln dir Moneten –

    hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer:

    bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.


    Etwas ist immer.


    Tröste dich


    Jedes Glück hat einen kleinen Stich.

    Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten.

    Daß einer alles hat:

    das ist selten.

  • Luftveränderung


    Fahre mit der Eisenbahn,

    fahre, Junge, fahre!

    Auf dem Deck vom Wasserkahn

    wehen deine Haare.


    Tauch in fremde Städte ein,

    lauf in fremden Gassen;

    höre fremde Menschen schrein,

    trink aus fremden Tassen.


    Flieh Betrieb und Telefon,

    grab in alten Schmökern,

    sieh am Seinekai, mein Sohn,

    Weisheit still verhökern.


    Lauf in Afrika umher,

    reite durch Oasen;

    lausche auf ein blaues Meer,

    hör den Mistral blasen!


    Wie du auch die Welt durchflitzt

    ohne Rast und Ruh –:

    Hinten auf dem Puffer sitzt

    du.

  • Gegen rechts und gegen links

    Die ihr die Häuser und die Läden

    ausraubt und plündert und verdreckt,

    die ihr mit Handgranaten jeden,

    der grad passiert, aufs Pflaster streckt –

    Ihr wollt noch Freiheitskämpfer heißen,

    ihr schreit für andre nach Gericht?

    Dürft ihr die Herrschaft an euch reißen?

    Ihr nicht!


    Und ihr, die feinen Herrn da drüben,

    ihr meine alten Freunde rechts,

    ihr fischt nun heute still im trüben

    und nutzt die Stürme des Gefechts.

    Wir haben es noch nicht vergessen,

    warum dem Land das Rückgrat bricht.

    Ihr wollt zu tadeln euch vermessen?

    Ihr nicht!


    Und rechts und links die Terroristen

    und jeder, der Gewalt verehrt,

    die Reventlows, die Spartakisten,

    und wer von Unterdrückung zehrt –

    Ihr sollt nicht raten und nicht taten.

    Denn gegen jene Unterschicht,

    da helfen wahre Demokraten.

    Ihr nicht!

  • Gute Nacht?

    Gute Nacht, mein Bürger, eiapopei!

    Dreh dich nur wieder herum!

    Die Wahlen sind nun glücklich vorbei,

    vorbei das Spektakulum.

    Sie blasen dir schon eine Nachtmusik:

    Und willst du glücklich sein,

    kümmer dich nie mehr um Politik!

    Gute Nacht, mein Kind, schlaf ein!


    Sieh, das Blättchen hat sich gewandt,

    zum erstenmal zeigest du Kraft;

    dein eigener Wille regiert das Land,

    deine eigene Vertreterschaft.

    Vertrau ihr! Mit jenem General

    fielst du zwar mächtig rein.

    Aber vertraue nur noch einmal –

    und schlaf nie wieder ein!


    Draußen klagt der politische Wind.

    Du liegst in der Wiege und lutschst.

    Du bist mein artiges, mein deutsches Kind,

    so brav, weil du selten putschst.

    Es riß im November dir die Geduld.

    Das soll dir vergeben sein.

    Lauf nicht wieder in den Tumult –

    Schlafe, mein Kind, schlaf ein!


    Kind, ich habe nur Spaß gemacht.

    Ich sitze an deiner Wiege

    die lange, finstere, deutsche Nacht …

    Was wird nach dem Wählersiege?

    Es dämmert. Ist das nun Untergang?

    oder Morgenschein?

    Die Weltgeschichte geht ihren Gang –

    Schläfst du wieder ein?


  • Rosen auf den Weg gestreut

    Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
    erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
    Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
    getreulich ihrer Eigenart!
    Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
    Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!

    Wenn sie in ihren Sälen hetzen,
    sagt: »Ja und Amen – aber gern!
    Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
    Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
    Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
    Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.

    Und schießen sie –: du lieber Himmel,
    schätzt ihr das Leben so hoch ein?
    Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
    Wer möchte nicht gern Opfer sein?
    Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
    gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen ...
    Und verspürt ihr auch
    in euerm Bauch
    den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
    Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
    küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!


  • Die Mäuler auf!

    Heilgebrüll und völksche Heilung,
    schnittig, zackig, forsch und päng!
    Staffelführer, Sturmabteilung,
    Blechkapellen, schnädderädäng!
    Judenfresser, Straßenmeute ...

    Kleine Leute. Kleine Leute.
    Arme Luder brülln sich heiser,
    tausend Hände fuchteln wild.
    Hitler als der selige Kaiser,
    wie ein schlechtes Abziehbild.
    Jedes dicken Schlagworts Beute:
    Kleine Leute! Kleine Leute!

    Tun sich mit dem teutschen Land dick,
    grunzen wie das liebe Vieh.
    Allerbilligste Romantik –
    hinten zahlt die Industrie.
    Hinten zahlt die Landwirtschaft.
    Toben sie auch fieberhaft:
    Sind doch schlechte deutsche Barden,
    bunte Unternehmergarden!
    Bleiben gestern, morgen, heute
    kleine Leute! kleine Leute!

  • Ideal und Wirklichkeit


    In stiller Nacht und monogamen Betten

    denkst du dir aus, was dir am Leben fehlt.
    Die Nerven knistern. Wenn wir das doch hätten,
    was uns, weil es nicht da ist, leise quält.
    Du präparierst dir im Gedankengange
    das, was du willst - und nachher kriegst das nie ...
    Man möchte immer eine große Lange,
    und dann bekommt man eine kleine Dicke -
    C'est la vie -!


    Sie muß sich wie in einem Kugellager

    in ihren Hüften biegen, groß und blond.

    Ein Pfund zu wenig - und sie wäre mager,

    wer je in diesen Haaren sich gesonnt ...

    Nachher erliegst du dem verfluchten Hange,

    der Eile und der Phantasie.

    Man möchte immer eine große Lange,

    und dann bekommt man eine kleine Dicke -

    Ssälawih -!


    Man möchte eine helle Pfeife kaufen

    Und kauft die dunkle - andere sind nicht da.

    Man möchte jeden Morgen dauerlaufen

    und tut es nicht. Beinah ... beinah ...

    Wir dachten unter kaiserlichem Zwange

    an eine Republik ... und nun ists die!

    Man möchte immer eine große Lange,

    und dann bekommt man eine kleine Dicke -

    Ssälawih -!

  • ’s ist Krieg!


    Die fetten Hände behaglich verschränkt

    vorn über der bauchigen Weste,

    steht Einer am Lager und lächelt und denkt:

    „’s ist Krieg! Das ist doch das Beste!

    Das Leder geräumt, und der Friede ist weit.

    Jetzt mach in anderen Chosen –

    Noch ist die blühende, goldene Zeit!

    Noch sind die Tage der Rosen!“


    Franz von der Vaterlandspartei

    klatscht Bravo zu donnernden Reden.

    Ein ganzer Held – stets ist er dabei,

    wenn sich Sprecher im Saale befehden.

    Die Bezüge vom Staat, die Nahrung all right –

    laß Stürme donnern und tosen –

    Noch ist die blühende, goldene Zeit!

    Noch sind die Tage der Rosen!


    Tage der Rosen! Regierte sich je

    so leicht und bequem wie heute?

    Wir haben das Prae und das Portepee

    und beherrschen geduckte Leute.

    Wir denken an Frieden voll Ängstlichkeit

    mit leider gefüllten Hosen –

    Noch …

    Noch ist die goldene, die blühende Zeit!

    Noch sind die Tage der Rosen!

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