Cäcilie Zeller

  • Frühlingsluft

    Frühling, Odem der Liebe,

    Wehest selig mich an!

    Überströme mich,

    Frühlingsduft!

    Trinken möcht' ich dich,

    Süsse Luft!

    Wie es wehet und waltet,

    Wie sich's regt und entfaltet!

    Wie die Schwingen sich heben

    In dem blühenden Leben!


    Wie aus der Morgenröte der Tau

    Perlend hernieder sich senkt,

    Freundlich auf frischer, duftender Au'

    Halmen und Blüten tränkt;

    Schwebst du aus ew'gem Gefild,

    Frühling, lieblich hernieder,

    Zeigst uns himmlische Brüder

    Lächelnd im irdischen Bild.

  • Gedankengruß

    Gedankengruß

    Liebende Gedanken schweben,

    Stille Engel, um dich her;

    In der Lieb' ist alles Leben,

    Alles Andre lebensleer:

    Liebende Gedanken

    Sind wie zarte Ranken,

    Die am Mittag kühl und mild

    Dich mit Schatten sanft umhüllt.


    Liebende Gedanken wehen

    Mich wie stille Grüße an,

    Daß ich ferne Augen sehen,

    Ferne Liebe fühlen kann.

    Lieb' ist wie die Sonne

    Warme Lebenswonne,

    Lieb' ist wie das süße Licht,

    Das durch alle Schranken bricht!

  • Stimmen der Liebe


    Töne such' ich in der Tiefe,
    Lausche in der eignen Brust;
    Wenn das Wort der Liebe schliefe,
    Weckt' ich's auf mit Kindeslust.

    Alles Leben löst das Siegel,
    Sprengt die Fessel, die es hält;
    Sturm auch schlägt die mächt'gen Flügel,
    Suchend um die Brust der Welt.

    Sonne strömt ihr brennend Leben
    In das Meer des Aethers aus,
    Lerchenschwingen müssen schweben
    Ins Unendliche hinaus.

    Auch der siebenfarb'ge Bogen
    Schmiegt sich liebend um das Licht,
    Und verstehst du, was der Wogen
    Sehnsuchtsvolles Rauschen spricht?

    Auch der Blume zartes Leben
    Gießt sich aus in Glanz und Duft,
    Gibt sich ohne Widerstreben
    Der geliebten Frühlingsluft.

    Sturmesbrausen, Lerchentone,
    Blütenliebe, Frühlingshauch,
    Das Gewaltige, das Schöne,
    Alles spricht und ich nicht auch?

    Und der Liebe sollt' ich wehren,
    Der gewaltigen, das Wort?
    Ihre tausend Stimmen hören
    Mußt du dennoch fort und fort!

    Laß sie ruhn in Deinem Herzen,
    Wo sie selber sich verklärt,
    Fürchte nicht des Kampfes Schmerzen,
    Krone ist des Kampfes werth.

    Laß sie walten, laß sie streben,
    Sie ist mächtig wie der Tod,
    Ewig, wie das ew'ge Leben,
    Ist des Himmels Morgenroth.

  • Waldmorgen


    Schwebt das Licht in Himmelsfluten,
    Strahlt in fesselloser Macht?
    Sterne werden seine Gluten
    In der kleinen Erdennacht.


    In dem breiten Blätterkranz
    Ist der Vöglein Lied erwacht,
    Spielt der goldne Sonnenglanz
    Mit des Laubes grüner Nacht!


    Heitre Fülle, Jugendleben,
    Morgenfrische strömt mich an,
    Die erwachten Kräfte streben
    Licht und fröhlich himmelan!


    Unaussprechlich Wesen,
    Laß zu dir genesen
    Unsre Seelen ganz allein
    Deines Lichtes Tempel sein!

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